Teil 2

des Interviews mit Bob.
Bob: So richtig tauschen will ich nicht. Tasten-Bass habe ich bei "Oder nicht oder doch" auf der Zirkus-Tour gespielt, Synthi-Bass-Station halt. Das ist auch cool, es macht Spaß, aber allein bei den Standards des E-Bass-Spielens ist für mich noch so viel da, was ich noch probieren und machen will. Da ist auf jeden Fall noch genug zu tun, bevor es mir irgendwann vielleicht mal langweilig oder eingeschränkt vorkommen könnte.
Aber Kontrabass interessiert mich auf jeden Fall. Ich habe auf der neuen Platte auf "Mein Freund" im C-Part auch Kontrabass gespielt im Studio. Und es war lustig, weil es ja alles fretless [ohne Bünde] ist und echt ein Umdenken - ich habe Markierungspunkte geklebt und habe so ein bisschen geschummelt beim Kontrabass-Spielen. Aber es hat funktioniert und macht auf jeden Fall Spaß, und ich werde in die Richtung auf jeden Fall noch mehr machen. Aber das ist dann erst mal wirklich ein reines persönliches Experimentierfeld. Ich will auch live nur Sachen präsentieren, die ich wirklich auch kann. Da bin ich eher der vorsichtige Typ: Wenn es soweit ist, werde ich es auf jeden Fall machen.

Dusk: Gimmicks haben auf der Bühne bei MIA. immer eine große Rolle gespielt - sei es die Drehorgel bei Zirkus oder das leuchtende Herz während der Stille-Post-Tour. Wie entstehen solche Ideen?

Bob: Die Ideen entstehen in so lustigen Brainstorm-Sessions: Jetzt lasst uns alle mal zusammen über die Tour nachdenken. Wie könnte das aussehen? Meistens über die Schiene, dass man sich wirklich konkret hinsetzt und überlegt: Was könnte man machen? Was gibt es so?
Und dann anfängt zu spinnen. Da kommen meistens ganz viele Ideen bei raus, wo man am Anfang sagt: Geht nicht; ist zu groß. Wie soll das hier funktionieren? Und man halt dann überlegt: Naja, wart mal, immer Schritt für Schritt; dafür gibt es schon mal Alternativen. Und hinstellen kann man es auch irgendwie - und so jeden Punkt abarbeitet. Bis man an den Punkt kommt, wo man es dann hat und gut findet; oder man daran herumdoktern muss, bis man es gut findet; oder auch wieder verwirft, weil die Idee doch nicht so cool ist.

Dusk: Dann hätte die Idee mit dem Trapez ja ziemlich schnell im Mülleimer landen müssen, allein von der Ahnung des Aufwands - nicht nur auf Tour, sondern auch, was die Miez leisten muss. Was war denn zuerst da: die Idee des Trapezes oder der Wille der Miez, etwas Artistisches zu zeigen?

Bob: Auf jeden Fall war der Wille der Miez zuerst da. Die Idee: Wie wär's, wenn man irgendwas Artistisches macht? Da war die Trapez-Idee erst mal im Raum - und dann war ganz lange nix. Da hatte die Miez heimlich angefangen zu trainieren, um für sich selber zu kucken, wie weit sie kommt und ob das funktionieren kann oder nicht. Und ich glaube, diesen Punkt hat sie relativ schnell gefunden, dass es funktionieren kann und hat dann um so härter dran gearbeitet.
Und dann war es eigentlich relativ spät, bis es bei allen durchgestellt war: Es wird eine Trapez-Show geben. Bis wir das dann zum ersten Mal gesehen haben und uns dann auch live davon überzeugen konnten, ist dann auch noch mal Zeit vergangen. Ja, und dann war klar - jetzt brauchen wir ein Trapez! Das musste dann auch noch umgesetzt werden und da haben wir die richtigen Leute gefunden, die vom Fach sind, was das jeweilige Objekt angeht. Und das in Koordination mit den Leuten, die die Verantwortung für die Bühne haben, dass es überall funktioniert.

Dusk: In welchem Fundus landen die Gimmicks denn, wenn sie ihren Dienst getan haben?

Bob: Noch verweilen alle an einem geheimen Fundusort, es ist alles eingelagert und wartet auf seine Bestimmung.

Dusk: ...wird zum 25. Bühnenjubiläum wieder rausgeholt?

Bob: Es gab für alle möglichen Sachen diverse Anfragen, dass jemand das haben wollte natürlich. Aber wir haben es nie übers Herz bringen können.

Dusk: Sind die inzwischen fast zur guten Angewohnheit gewordenen Auslandsgigs in den verschiedensten Ländern der Welt eine Inspiration oder eher Arbeitsurlaub für Dich und Euch?

Bob: Im besten Fall kommt alles darin vor. Dass man natürlich eine Art Urlaubsgefühl verspürt, wenn man woanders hinfährt; und wenn man im besten Fall sich das so organisiert, dass man dann doch einen halben oder ganzen Tag Freizeit hat und sich einen Eindruck davon holen kann, wie es dort so ist; und andererseits Inspiration, weil man überhaupt neue Situationen, neue Menschen kennenlernt.
Auch dass man mit Sprach- und Verständigungssystemen auf eine neue Art und Weise konfrontiert wird - also in Extremfällen wie Japan und China, dass man gar nichts mehr kann, weder lesen noch sprechen, sich verständigen noch auf eine andere Sprache ausweichen. Das ist etwas, was viel mit einem macht, zum Nachdenken anregt und teilweise Inspirationsquelle ist.
Und andererseits, weil man im Ausland auch immer wieder von Null anfängt - mit ganz anderen Umständen, anderen Bedingungen auf der Bühne, viel kleineren Bühnen. Auch mit neuem Publikum, dass einen nicht kennt und die Texte nicht versteht. Damit konfrontiert zu sein, tut uns auf jeden Fall immer wieder gut - nicht, dass wir Gefahr laufen würden abzuheben im normalen Live-Betrieb.

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