Dabei habe ich etwas gelernt. Während ich gerne zielstrebig vorangehe und mich dabei nicht ablenken oder beirren lasse, bat meine Begleitung während unserer Wanderungen immer wieder um kleine Pausen im Park, auf einer Bank, in einem Café... etc. Das hat mich anfangs fürchterlich gestresst. Schließlich hatten wir doch eben noch einen Plan und wollten zum Friedhof oder in einen bestimmten Stadtteil oder Laden. Auf jeden Fall hat das doch dann alles geschlossen, bevor wir hier wieder los sind... na so ungefähr ging das in meinem Kopf ab.
Da ich aber parallel zu meiner Geradlinigkeit auch eine Harmoniesucht in mir trage, habe ich mich gerne ergeben und mich für 10 min mit hingesetzt. Wenn dann eine Stunde vergangen war, fand ich es erst richtig prima. Es tat gut, den Wind immer wieder aus den Segeln genommen zu bekommen. Nein wirklich, irgendwas war in der Zwischenzeit mit mir passiert. Ich war beruhigt, besänftigt, versöhnt und hatte meine Aufmerksamkeit von außen nach innen gelenkt.
Natürlich hatte hin und wieder etwas zu, dass wir hätten sehen wollen, aber das war nie schlimm.
Wer hat das Folgende noch mal gesagt?
"Leben ist das, was passiert während man Pläne dafür macht." ...tja, in meinem Fall hat das gepasst. Weiter im Text.
Einige der Dinge, die wir uns vorgenommen hatten, haben wir trotzdem geschafft. Wir nahmen an einer Führung durch das Evita Museum teil, da Nhoah unbedingt dazu geraten hatte. Bei Evita handelt es sich nämlich nicht nur um einen weiteren gescheiterten Schauspielversuch von Madonna, sondern vor allem um Eva Peron, zweite Ehefrau von Juan Peron, der zweimal Präsident von Argentinien war. 1946 und 1973.
Der Begriff Peronosim taucht in B.A. sehr oft auf und auch die aktuellen Regierungsmitglieder sollen Peronsymphatisanten sein. Uns hat interessiert, was das bedeutet und daher war es wichtig, mit einem Menschen über diesen ganzen Mythos zu sprechen, der damit aufgewachsen ist. Noch heute ist es zum Beispiel so, dass jeder einen Ausweis hat, in dem stempeltechnisch festgehalten wird, ob derjenige zur Wahl gegangen ist oder nicht. Wenn einige Stempel fehlen, kann es sein, dass man bei der nächsten Wohnungs- oder Studienplatzsuche Probleme bekommt. Man muss sehr gut begründen können, warum man nicht wählen war. Stellt euch dieses Szenario mal in Deutschland vor, bei den letzten Europawahlen lag die Wahlbeteiligung hier bei 43% ...eieiei.
An einem anderen Tag haben wir einen Open Air Tangozirkus besucht. Zum ersten Mal in meinem Leben fand ich den Seiltänzer toll. Ich hab länger als alle andern die Luft angehalten und sie jedes mal wieder mit einem lauten "NEIN!" oder "WOOOOOWWW!" entladen. Es war sehr beeindruckend und ich war wieder Feuer und Flamme fürs Artistenleben.
Auf einem Konzert von Caetano Veloso waren wir auch, er hat mich aber nicht sooo begeistert. Bis ganz zum Schluss bin ich nicht geblieben, obwohl die Dokumentation auf seiner Website wirklich vielversprechend ausgesehen hatte. Ich weiß aus zuverlässiger Quelle, dass die übrigen 7000 Besucher trotzdem ihren Spaß hatten.
Nach einem besonders langen Tag haben wir uns auf eine Modemesse eingeschlichen. Das war völlig sinnlos, bis auf die Entdeckung der tollen Kunstbücher, die es in einer Ecke der Messehalle zu bestaunen gab.
Gestaunt haben wir auch in der Steve McCurry Ausstellung. Ihr müsst euch das so vorstellen: Steve McCurry ist einer der bekanntesten Kriegsreporter weltweit und gezeigt wurden seine Bilder in der obersten Etage eines riesigen Einkauftempels. Völlig schräg, nach den leeren Augen auf den Fotos wieder in das Kommerzgetümmel einzutauchen. Vielleicht haben sich seine Fotos aber gerade deshalb und um so mehr in mein Gedächtnis eingebrannt... so ist es eben. Es gibt auf der Welt verschiedenste Welten.
Ein Welt für sich ist auch der Tango. Natürlich braucht es in Argentinien mindestens einen Abend mit einer Tanzveranstaltung. Eine solche nennt sich: Melonga. Wir genossen eine wunderbare Nacht im Kulturzentrum in der Armenia, in dem ich vor drei Jahren auch meine erste Tanzstunde hatte. Es gab unfassbar viel zu beobachten und zu besprechen. Sechs Herren haben im Laufe des Abends ihr Glück bei uns versucht, mussten aber alle unverrichteter Dinge wieder abziehen. Ich habe festgestellt, dass zwischen mir und dem Spaß am Tango zu viele Regeln stehen.
Besonders gerne verbrachten wir Zeit an einer Skaterampe. Hier schrieben wir Postkarten, ließen den Tag Revue passieren und kuckten durch die Gegend. Fragt nicht warum, aber wir fanden es dort gaaaanz prima.
Die Zeit ist viel zu schnell vergangen und es gibt noch 1000 Sachen die es in B.A. zu tun und zu entdecken gibt. Ich freu mich jetzt schon auf die nächste Gelegenheit...
Zurück in Berlin genieße ich die ersten Frühlingstage und sause, wann immer es geh,t mit meinem Fahrrad durch die Stadt.
Meine Lieben, ich hoffe sehr, dass ich euch ein wenig mit meiner Euphorie anstecken konnte.
Ich bin in Gedanken bei euch und schicke as much Rückenwind as possible***
Ahoi - Miez die Katz
[...viele Fotos beim Klick aufs Bild oben!]
by MIA.